"Trotz Anspannung sein Bestes geben"

Stephanie Beyer aus Elsterwerda hat ihr Glück beim Casting versucht

ELSTERWERDA. Derzeit erfahren Castingshows einen regelrechten Boom auf dem deutschen Fernsehmarkt. Nach Vorbildern in England und den USA hat sich das Format der „Starsuche" auch in Deutschland etabliert. Je erfolgreicher eine Show ist, desto mehr Nachahmer findet dieses Konzept in der eigenen Branche. Von ihren Erfahrungen bei den Castings für diese Shows erzählte uns die Elsterwerdaerin Stephanie Beyer.

VON STEFANIE KELLER

Von „Popstars", „Deutschland sucht den Superstar" über „Star Search" bis hin zu „Die deutsche Stimme 2003" - Nachahmer der erfolgversprechenden Show finden sich sowohl im Bereich der privaten Fernsehsender, als auch bei den öffentlich-rechtlichen. „Jeder kann es schaffen!" versprechen die Veranstalter großzügig.
Wie laufen eigentlich solche Castings ab? Welcher Druck lastet auf den Teilnehmern? Wie bereitet man sich am besten vor?
Die 20-jährige Stephanie Beyer aus Elsterwerda hat im Sommer diesen Jahres an zwei Castings in Leipzig teilgenommen: „Deutschland sucht den Superstar 2" sowie „Die deutsche Stimme 2003". Die RUNDSCHAU befragte die junge Studentin zu ihren Erfahrungen.

Wie kamst du auf die Idee,bei solch einem Casting gegen tausend andere Teilnehmer anzutreten? Ich mache schon ziemlich lange Musik. Bereits zu Schulzeiten habe ich viel gesungen, auch vor Publikum. Das Singen macht mir einfach Spaß. Warum soll man es dann nicht einmal bei so einem Casting probieren.

Warst du sehr aufgeregt, als du die Einladung zum Casting erhalten hast? Die Aufregung hielt sich in Grenzen. Ich bin ziemlich locker herangegangen und habe mir keine unnötigen Hoffnungen gemacht. Dann ist man hinterher nicht ganz so niedergeschmettert. Und schließlich gehört ja auch ein wenig Glück dazu. 

Bei welchem Casting hast du dich wohler gefühlt: ZDF oder RTL? Wohler habe ich mich beim ZDF Casting gefühlt. Irgendwie war dort die Atmosphäre angenehmer. Es waren weniger Teenager unter den Teilnehmern und ein Betreuerteam stand uns die ganze Zeit zur Seite.

Wie läuft so ein Casting ab? Nach einer schriftlichen Bewerbung mit Foto und Demoband wurde ich zum Vorcasting für „Die deutsche Stimme 2003" nach Leipzig eingeladen. Als Einzige bin ich weitergekommen. Insgesamt waren wir 70 Mann deutschlandweit, die von anfänglich 3000 Bewerbern nach Köln fahren durften. Das Hauptcasting in Köln fand in einem super Hotel statt. Die Räume waren in den Farben der Show geschmückt - das macht natürlich Eindruck. Bevor das Casting losging, mussten alle Teilnehmer noch einen Vertrag unterschreiben, der eine Verschwiegenheitsklausel enthält. Ohne eine Unterschrift durfte man nicht vorsingen. Daher kann ich an dieser Stelle nicht so viel über den Ablauf erzählen. Vor und nach dem Singen wurde jeder interviewt, wie man sich fühlt und so weiter.

Du hast doch sicherlich viele neue Leute kennengelernt. Wie steht man sich gegenüber: Konkurrent oder Freund?Es sind Momentfreundschaften. Wir sitzen schließlich alle im selben Boot. Jeder muss vor die Jury treten und sein Bestes geben. Die Anspannung ist sicherlich bei jedem ähnlich. Man ist in dem Moment, in den paar Stunden, einfach froh, wenn noch jemand da ist, der weiß, wie man sich fühlt.

Wer saß in der Jury bei „Die deutsche Stimme 2003"?Es waren alles deutsche Künstler. Unter anderem Ralph Siegel, Jule Neigel und Oli P.

Was hast du im Hauptcasting gesungen? Wir mussten uns auf fünf deutschsprachige Lieder vorbereiten. Letztendlich durfte ich meinen Favoriten vortragen: einen Song von Glashaus. Leider hat es nicht gereicht, um weiter zu kommen.

Man sieht ja ab und zu im Fernsehen, dass die Kandidaten nicht gerade mit Samthandschuhen angefasst werden. Wie war es bei dir? Überhaupt nicht schlimm. Jule Neigel und die anderen Jurymitglieder waren eigentlich ganz nett zu mir. Sie verschonten mich mit ihrer harten Kritik.

Was meinst du, worauf schaut die Jury bei den Kandidaten? Natürlichkeit. Mit einem aufgesetzten Verhalten kommt man nicht gut an. Ebenso sollte man mit dem Styling dezent umgehen. Schließlich geht es ja um die Stimme und nicht um das Outfit. Tja, und einfach an sein Können glauben und die Aufregung für einen Moment in den Hintergrund rücken.

Was nimmt man von solch einem Casting wieder mit nach Hause? Vor allem Erfahrungen - positive Erfahrungen. Man lernt, trotz der Anspannung sein Bestes zu geben. Auch die vielen Kameras haben mich zum Schluss nicht mehr gestört.

                                                                                                                       
Wie geht es musikalisch jetzt bei dir weiter? Ich werde mein Hobby zum Beruf machen. Zurzeit studiere ich in Halle Lehramt für Musik und Englisch. Das nimmt mich ganz schön in Anspruch. Was sich darüber hinaus entwickelt, wird sich zeigen.

                     Stephanie Beyer          Foto: privat                      

            Quelle: Lausitzer Rundschau 11.09.2003                

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